Liebe Caro
Momentan absolviere ich mein Maturajahr (letztes Jahr des Gymnasiums bzw Kantonsschule in der Schweiz) und auch ich hatte so meine Startschwierigkeiten im Französisch...
Allerdings konnte ich als Kanadafan nie nach Quebec gehen (finanziell unmöglich, und ich möchte sowieso in den englischsprachigen Raum!

) und so musste ich mir hier in der Schweiz Nachhilfe suchen. Ich fand dann tatsächlich auch eine Muttersprachlerin (das Franz der Schweiz ist beinahe identisch mit dem Französischen...) und bald schon gingen meine Noten in die Höhe (bei uns ist 6 das beste).
Als ich einmal mit meiner Nachhilflehrerin über das Frankokanadische Französisch zu sprechen kam, lachte sie: Sie hat viel Kontakt mit Frankokanadiern und meinte, diese Sprache sei definitiv nicht Französisch!
Durch die vielen Amerikanischenglischen Einflüsse hat sich diese Sprache stark verändert.
Als ich erst kürzlich in den "Genuss" dieser Sprache kam, musste ich auch zugeben: Trotz meiner nun guten Französischkenntnisse habe ich beinahe nichts verstanden! Nicht nur die Frankokanadische Aussprache ist für viele Franzosen ein Gräuel...
Wenn deine Tochter also wirklich richtiges Französisch lernen soll, ist von einem Sprachaufenthalt in Quebec abzuraten...
Allerdings: Stell dir vor ein englischsprechender Kanadier kommt in die Schweiz für ein Sprachaufenthalt.
Hier möchte er Deutsch lernden... Der Unterricht wird in Hochdeutsch gehalten: Der Kanadier lernt also Hochdeutsch... Doch sobald er mit uns Schweizern in der Pause oder etwas unternehmen will versteht er kein Wort! Er muss also Hochdeutsch UND Schweizerdeutsch lernen. Dazu kommen die verschiedenen Dialekte...
So oder ähnlich wäre es wohl für deine Tochter.
Also sehr schwierig und kompliziert, vorallem dann, wenn sie die Sprache eigentlich nicht unbedingt mag und so schlechte Voraussetzungen hat...
Es bestünde aber auch die Möglichkeit, dass sie - wieder zurück in Deutschland - beides kann: Das "richtige" und das frankokanadische Französisch! Allerdings kann das nur dann erreicht werden, wenn der Aufenhalt lange ist, also ein Jahr! Vorher konnten Austausschüler bei und nur verwirrt aber nicht richtig unterrichtet werden!
Soweit meine Meinung und Erfahrung...
Aber entscheiden müsst natürlich ihr und auch eure Tochter!
Ach ja: Ihr als Eltern mögt Kanada, die Tochter aber vielleicht nicht unbedingt im selben Masse wie ihr...
Wäre es nicht schöner, wenn sie schon Französisch könnte, wenn sie zum ersten Mal euer Traumland besucht, und so auch wirkich was vom Land mitbekommt, anstatt dass sie dort hin kommt, eine Sprache sprechen muss, die sie nicht mag und sich fast nicht zurechtfindet und dadurch vielleicht nicht den selben Eindruck und die selbe Faszination wie ihr gewinnen kann...
Auf jeden Fall wünsche ich ihr gute Noten und: Bloss nicht aufgeben!
Herzlichst
Melanie Wigger
Meine Träme sind meine Ziele...